saßen in gemütlicher Runde zusammen und betrachteten die Pfanzen, die sich derzeit im Jahreskreis zeigten. Die heilige Hildegard von Bingen und ihre Heilpflanzenlehre standen ebenfalls im Mittelpunkt des Seminars.
Wir hatten Glück, wir konnten die ersten blühenden Schneeglöckchen im Garten sichten.
Beim Rundgang durch den Heilpflanzengarten konnten wir tatsächlich noch etwas (natürlich erfrorenes) Basilikum und vertrockenen Weihrauch erschnuppern. Erstaunlich war, dass beide Heilpflanzen, obwohl nun mehr nur ein erfrorenes Gerippe, deutlich zu erriechen waren.
Jeder Teilnehmer hatte eine Kerze zur Weihung mitgebracht. An Maria Lichtmess werden in der Kirche alle Kerzen geweiht, die das Jahr über verwendet werden. So taten es auch wir, allerdings gingen wir dazu in den winterlichen Garten und weihten die Kerzen mit einer Weihrauch-Räucherung. Zudem durfte jeder Seminarteilnehmer dem anderen gute Wünsche für das voranschreitende Jahr mitgeben.
Zurück im Seminarraum konnten die Teilnehmer noch ein selbstgenähtes Herz mit Lavendelblütenfüllung mitnehmen.
Der Lavendel symbolisiert mit seinen reinigenden und Herzöffnenden ätherischen Ölen den Wunsch nach einem klaren und selbstbestimmten Geist im anstehenden Jahr.
Es war ein rundum gelungenes Seminar!
Coronavirus, Shut-down, Pandemie, die Welt steht plötzlich Kopf.....
Wer hätte sich zu der Zeit des Lichtmess Seminars vorstellen können, was wenige Wochen später passierte?
Natürlich hatte ich Anfang Februar bereits vom Shutdown der Stadt Wuhan in China gehört. Wohl mit Staunen blickten ich und die damals noch Pandemielose Welt nach China. Niemand konnte sich zu dem damaligen Zeitpunkt vorstellen, was dann weltweit passieren würde.
Die kommenden 2 Monate werden wohl für immer im Gedächtnis der Menschen in aller Welt bleiben.
Ich möchte hier nicht auf Details der Ausbreitung der Pandemie eingehen.
Ich hatte dann bereits Ende Februar, Anfang März eine Vorahnung, dass es vielleicht auch in Deutschland zu einem sogenannten Lock down kommen könnte.
Doch ich hatte Pläne, Pläne für die Erweiterung des Heilpflanzengartens um einen neuen Teil.
Dafür hatte ich bereits im Februar einen Zaun beim Baumarkt bestellt, um dem neuen Gartenteil eine hübsche, äußere Umrandung zu geben.
Es sollte ein Hildegard von Bingen - Garten an der sonnigsten Stelle des großen Gartens entstehen. Das war mein Plan für das Frühjahr 2020.
Voller Zuversicht hatte ich bereits Mitte Februar an einer provisorisch gerodeten Stelle meine geliebte Kamille gesät. Sie sollte dann im neuen Gartenteil eine zentrale Heilpflanzenstellung einnehmen.
Dann kam der Lock down. Alle Geschäfte, einschließlich der Baumärkte, schlossen. Europa kapselte sich ab, die Menschen mussten zuhause bleiben.
Ich sah meinen Plan vom Hildegard- Garten den Bach runter gehen.....
Doch Aufgeben und "die Flinte ins Korn schmeißen" ist nicht meine Art.
Also begaben wir uns frisch ans Werk und begannen den Teil zu roden und zu entkrauten, der für den Hildegard - Garten vorgesehen war. Es war eine schwere, schweißtreibende Arbeit. Metertiefe Wurzeln von Ahorn- Schößlingen trieben uns in die Verzweiflung!
Kaum war eine Wurzel entfernt, war da schon das nächste Wurzelungeheuer.
So schufteten wir tagelang bei strahlend schönem Märzwetter. Die Welt außerhalb unseres Gartens drehte sich ohne uns weiter. Die Meldungen aus der Tagessschau, bezogen auf die Coronavirus- Pandemie, schrumpften auf Minigröße. Das Wichtigste war das Anlegen des neuen Gartens. Außerdem waren wir am Ende dieser arbeitsreichen Tage kaum mehr in der Lage viel Neues aufzunehmen und zu verarbeiten. So geschah es, dass die Neuanlage des Hildegard- Gartens zu einer Art Therapie wurde, die uns diese schlimme Zeit hat ertragen lassen.
Und dann geschah das Wunder, das ich wirklich nicht so erwartet hatte: der im Februar bestellte Zaun wurde tatsächlich noch vor dem kompletten Lock down geliefert!
Ich habe es fast nicht geglaubt, als der Lieferant sagte :" Frau Liebel, sie waren die letzte Lieferung für die nächsten Wochen."
So ein Glück!
Ich freute mich wie ein Schneekönig, wirklich!
Und wir gaben Gas!
Der Frühling kam mit voller Macht und wir schufteten weiter. 14 weitere Tage lang nichts als Wurzeln, Rückenschmerzen, Verfluchen von Ahorn- Schößlingen und Verpflegung von einer gängigen Fastfood- Kette...
Weil fürs Kochen hatte ich gar keine Kraft mehr....
Und dann, Anfang April, war es dann endlich soweit: der Zaun stand, die Wege waren gezogen, die ersten Pflanzen konnten einziehen.
Doch der Wettergott hatte anderes mit uns vor. Es wurde kalt. Zu kalt, um junge, im Treibhaus gezogene Pflanzen, in die kalte Erde zu setzen.
Geduld und Abwarten waren nun gefragt. Leider zum Teil nicht ganz so meine Tugenden....
Doch der Garten lehrte mich eine weitere Lehre: dass Geduld und Muße auch zum Ziel führen, dass die Natur immer weiß, was sie tut und was das richtige für sie und nicht für den Menschen ist.
Und dann kam mein Geburtstag und mein größter Wunsch, die Neuanlage des Hildegard- Gartens, war wahr geworden. Noch heute kann ich es rückblickend kaum glauben, wie wir das alles so geschafft haben, trotz Corona- Krise, trotz Lock down.
Und wieder einmal hat sich mein Heilpflanzengarten als die absolute Ressource in Krisenzeiten bewährt. Die harte Arbeit im Frühjahr hat uns zumindest zeitweise die bedrückenden Geschehnisse rund um die Pandemie vergessen lassen. Wir tauchten ein in den Organismus des Gartens, sein Leben, seinen Rhythmus, sein Gedeihen und Wachsen. Für lange Stunden war alles andere vergessen.
Die absolute Stille in der Umwelt (keine Flugzeuge, kein Verkehr, kaum Menschen unterwegs) hatte für mich etwas Kraftgebendes, etwas Erdendes und Reinigendes. Trotz der Krise um uns herum.
Wir sind gesund geblieben und danken Gott dafür. Wir haben keinen Schaden erlitten, im Gegenteil, wir haben den größten Reichtum erhalten: wir dürfen weiterhin die wunderbare Schöpfung jeden Tag ausgiebig bewundern und bestaunen.
Der neue Hildegard von Bingen - Garten hat inzwischen deutliche Gestalt angenommen. Er ist bereits ein geliebter Teil meines Tagesrhythmus geworden. Jeden Morgen statte ich ihm einen Kurzbesuch ab, bevor ich zur Arbeit fahre. Und jeden Morgen bin ich dankbar und glücklich, dass ich sein Gedeihen erleben darf.
Die kommenden Wochen, bis zur Sommersonnenwende am 21. Juni, werden die neuen Pflanzen noch wachsen. Dann stellen sie ihr Wachstum ein, die Früchte und Beeren, entstehen, alles strebt dann nur noch zur Reife hin.
Es wird eine Zeit voller Licht und langer Abende sein.
Dies war nun ein sehr langer Rückblicks- Blogbeitrag. Ich habe die Monate des Rückzugs aus der Blog- Welt gebraucht, um neue Kraft für neue Inhalte zu finden.
So wird es nicht mehr wieder so lange dauern, bis ein aktueller Tagesblog geschrieben wird.
I´m back on track.
In diesem Sinne, bis bald. Mit aktuellen Eindrücken aus dem Heilpflanzengarten.
Alles Liebe von Iris.






























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